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Bild und Link: Cultiv Net

10 Jahre KARO - eine Bilanz

Forderung nach mehr Hilfe für die Opfer
Warnung vor AIDS-Gefahr aus Mittel- und Osteuropa

Kinderprostitution im Grenzgebiet: versteckt- aber nicht behoben

„Kinderprostitution hat sich in den vergangenen Monaten in den Untergrund verlagert – abgenommen hat sie nach unserem Eindruck nicht“. Dieses Fazit zog Cathrin Schauer, Geschäftsführerin von KARO anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Organisation, die seit 1994 grenzüberschreitend Sozialarbeit und AIDS-Aufklärung im Prostitutions- und Drogenmilieu betreibt. Vor einem Jahr hatte ein von UNICEF und der Kinderrechtsorganisation ECPAT herausgegebener Bericht „Kinder auf dem Strich“ zur Kinderprostitution im deutsch-tschechischen Grenzgebiet bundesweit für Aufsehen gesorgt.

Zwar haben die Aufmerksamkeit der politisch Verantwortlichen und die verstärkte Präsenz der Polizei dazu geführt, dass Kinderprostitution jetzt weniger sichtbar ist. Doch noch immer zieht die Grenzregion Sextouristen aus Deutschland an. “Viele Männer betrachten das Gebiet als rechtsfreien Raum“, sagte Schauer. Sie verlangen nach ungeschütztem Sex ohne Kondom. Gewaltbereitschaft und Perversität nehmen zu. So ist die Nachfrage nach schwangeren Prostituierten nach Beobachtungen von KARO in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

„Sextourismus fördert Zwangsprostitution und die Ausbreitung von Aids“, warnte die Sprecherin von UNICEF Deutschland, Helga Kuhn. „In Osteuropa wächst die Aids-Gefahr schneller als irgendwo sonst auf der Welt. Die Arbeit von KARO ist wichtiger denn je. Vor allem die minderjährigen Opfer sexueller Ausbeutung sind dringend auf Hilfe angewiesen.“


Frauen und Kinder zur Prostitution gezwungen

Das starke Wohlstandsgefälle zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik hat in den vergangenen Jahren zur Expansion von Straßenprostitution und bordellähnlichen Einrichtungen geführt. Die Frauen und Kinder, die KARO während der grenzüberschreitenden Sozialarbeit kontaktiert hat, wurden fast ausnahmslos in die Prostitution gezwungen. Zahlreiche, inzwischen erwachsene Prostituierte mussten sich bereits als Minderjährige prostituieren. Immer wieder berichten sie von einer zunehmenden Nachfrage seitens deutscher Sextouristen nach Mädchen und Jungen auch im vorpubertären Alter.

Kinder werden auf den Straßen, in Wohnungen oder bordellähnlichen Einrichtungen zum kommerziellen sexuellen Missbrauch angeboten. Oft sind es Familienangehörige, Freunde oder Geschwister, die als Zuhälter fungieren und Kinder direkt an überwiegend deutsche Pädosexuelle vermitteln. Jugendliche, die schon länger in der Prostitution arbeiten, werden oft als Aufpasser eingesetzt oder müssen die Jüngeren „anlernen“.

AIDS - Gefahr wird immer noch unterschätzt

Bei den Erstkontakten zu Frauen und Kindern, die als Prostituierte neu in die Grenzregion kommen, stellen die KARO- MitarbeiterInnen immer wieder fest, dass Kenntnisse über die Infektionsrisiken sowie Schutzmöglichkeiten in Bezug auf HIV/ AIDS nicht oder nur unzureichend vorhanden sind. Fast immer unterschätzen sie ihre persönlichen Infektionsrisiken. Kenntnisse im Umgang mit Spritzen bei intravenösem Drogenkonsum sind ebenfalls spärlich. Nicht selten werden die Spritzen untereinander ausgetauscht oder eben mehrfach benutzt.

Und auch die Sextouristen wissen viel zu wenig über HIV/ AIDS. Viele glauben immer noch, dass AIDS in den ehemaligen Ostblockländern nur vereinzelt vorkommt. Auch der Trugschluss, je jünger die Prostituierten, desto geringer sei auch das Infektionsrisiko, ist weit verbreitet. Andere Sextouristen gehen bewusst das Risiko ein, die Frauen und Kinder, letztlich aber auch sich selbst und ihre Partner zu gefährden, indem sie sexuelle Handlungen ohne Kondom propagieren und teilweise mit Gewalt durchsetzen. Fast immer nutzen sie dabei die Abhängigkeitsstrukturen, die Hilflosigkeit und den Zwang zur Prostitution aus.

In Tschechien verzeichnen die Behörden im Grenzgebiet der Euroregion Egrensis bereits einen Anstieg von HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen sowie von sexuell übertragbaren Krankheiten wie Gonorrhöe oder Hepatitis. „Der Freistaat Sachsen hat die meisten HIV-Infizierten in Ostdeutschland – auch andere sexuell übertragbare Krankheiten sind auf dem Vormarsch“, berichtet die Freie Presse am 30.11.2004.


So arbeitet KARO

Die SozialarbeiterInnen von KARO arbeiten direkt im Prostitutions- und Drogenmilieu. Durch kontinuierliches Streetwork sowie Einzel- und Gruppengespräche klären sie auch deutsche Sextouristen über HIV/ AIDS und sexuell übertragbare Krankheiten auf. Durch Öffentlichkeitsarbeit informieren sie die Bevölkerung über die AIDS-Gefahr und machen auf Menschenrechtsverletzungen wie Zwangsprostitution und die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern aufmerksam. Gemeinsam mit Partnern in der Tschechischen Republik arbeiten sie für bessere binationale Verständigung und Kooperation im Sozial- und
Gesundheitssektor - sowohl zwischen lokalen Akteuren und staatlichen Institutionen. KARO leistet damit einen Beitrag zur Lösung der vorwiegend durch deutsche Männer hervorgerufenen Probleme.

KARO wurde 1994 im Rahmen des Landesmodellprojektes „Streetwork zur HIV/ AIDS Prävention im grenzüberschreitenden Raum Bundesrepublik Deutschland- Polen und Bundesrepublik Deutschland- Tschechische Republik“ in Zusammenarbeit von Bund, Land Sachsen und Mecklenburg Vorpommern, WHO, EG, Sozialpädagogisches Institut Berlin gegründet. Bis 12.06.2004 wurde KARO über das Interreg Programm sowie einen Zuschuss des Sächsischen Sozialministeriums finanziert. Seit 13.06. arbeitet KARO als eigenständiger eingetragener Verein und finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Nur die Präventionsarbeit mit deutschen Sextouristen wird bis 31.12.2004 finanziert vom Sächsischen Sozialministerium.

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens von KARO wird am 1. Dezember die Ausstellung „Tal der Tränen - Impressionen aus einer tschechischen Grenzregion“ mit Fotografien von Sabine Sauer-Hetzer vom Magazin „ Der Spiegel“ eröffnet. Die Kindertanzgruppe „Laco Jilo“ aus Cheb, die von KARO e.V. unterstützt wird, tritt auf. Das Galli Theater aus Erfurt gibt ein Theaterstück zur AIDS- Prävention „Rotlicht“, das in Zusammenarbeit mit UN AIDS Wien entwickelt wurde.

 

 

 

KARO e.V.
Cathrin Schaue
Altmarkt 3
08523 Plauen
home: www.karo-sozialprojekt.de
Plauen, den 1. Dezember 2004

Buchtitel:Die Welt ist keine Ware
Die Welt ist Keine Ware
 
 
Frauenliteratur bei Gatzanis
Frauenliteratur im Gatzanis Verlag
 
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ISSN 1610-0611
 
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