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Bild und Link: Cultiv Net

„Krippentiere“ vor dem Aus

WWF und GEH: Ochs und Esel stehen auf der Roten Liste der bedrohten Haustierrassen


Ochs und Esel, die dem Jesuskind vor 2.000 Jahren an der Krippe Gesellschaft leisteten, finden in der modernen Landwirtschaft kaum noch Verwendung. Heute würden die Heiligen drei Könige wohl nur noch auf Hochleistung getrimmte Rinderrassen im Stall von Bethlehem antreffen, denn das Artensterben macht vor Nutztieren nicht halt. Jede Woche verabschiedet sich eine Haustierrasse von diesem Planeten, beklagen der WWF und die Gesellschaft zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen (GEH).

Vor hundert Jahren gab es in Deutschland noch 87 verschiedene Rinderrassen. In den vergangenen Jahrzehnten ist ihre Zahl dramatisch zurückgegangen: Heute gehören 96 Prozent des gesamten Rinderbestandes lediglich vier verschiedenen Rassen an. Bei Schweinen, Eseln, Hühnern und Schafen sieht es ähnlich aus. In Deutschland umfasst die Rote Liste der Nutztiere mittlerweile 84 Rassen. Dazu gehören zum Beispiel das Limpurger Rind, das Bunte Bentheimer Schwein, das Ramelsloher Huhn sowie der Altdeutsche Hütehund und die Moorschnucke. „Die Einschränkung der Nutzung auf wenige Rassen ist nicht nur hierzulande ein Problem“, erläutert Imke Lübbeke, Landwirtschaftsexpertin des WWF. Weltweit sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen von 6.000 Nutztierrassen 1.500 Rassen gefährdet.

„Mit den Tieren stirbt ein Stück kulturelle Vielfalt“, betont Antje Feldmann, Geschäftsführerin der GEH. Deshalb macht sich die Organisation dafür stark, Nutztiere zu erhalten, die an die Region, die Böden und die jeweilige Landschaft angepasst sind. Beispiele dafür sind das Rote Höhenvieh im Vogelsberg oder im Harz. „In Zeiten von Rinderwahn und Schweinepest wollen die Leute nicht nur anonyme Massenware“, so Imke Lübbeke. Der WWF sieht deshalb für diese Tiere durchaus Chancen, allerdings müsse sich die Agrarpolitik stärker als bisher um den Erhalt alter Haustierrassen kümmern und zum Beispiel die regionale Vermarktung fördern. Besonders in Südeuropa und in den Beitrittsländern zur Europäischen Union sei die Artenvielfalt auf dem Bauernhof noch erheblich größer. Sie gelte es auch nach der Osterweiterung zu bewahren.

„Wir wollen keine Zoos für Haustiere, sondern wir wollen alte Nutztierrassen nutzen“, unterstreichen GEH und WWF. Insbesondere in der Landschaftspflege und beim ökologischen Landbau ergäben sich große Potenziale, um alte Haustierrassen auch wirtschaftlich attraktiv zu machen.

23.12.2003
Rebstöcker Straße 55
60326 Frankfurt
Tel.: 069/791 44 0
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